Schweizer Armee Podcast zeigt Bedeutung psychischer Gesundheit im Einsatz

Waffen, Material und Ausbildung sind sichtbar.

Mentale Belastbarkeit hingegen bleibt oft unsichtbar – bis sie fehlt.

Im Schweizer Armee Podcast sprechen zwei führende Militärpsychologen im deutschsprachigen Raum offen darüber, warum psychische Gesundheit kein Randthema mehr ist, sondern ein operativer Faktor.

Stress, Unsicherheit, Dauererreichbarkeit, Krisenbilder in Echtzeit: Soldaten bewegen sich heute in einem Umfeld, das psychisch fordernder ist als früher.

Genau hier setzt der Psychologisch-Pädagogische Dienst (PPD) der Schweizer Armee an – und vergleichbare Dienste im Ausland.



Im aktuellen Schweizer Armee Podcast sind Christian Langer, Leiter des Heerespsychologischen Dienstes des österreichischen Bundesheeres, und Roman Spinnler, Chef des Psychologisch-Pädagogischen Dienstes der Schweizer Armee, bei Mathias Müller zu Gast.

Beide machen klar: Militärpsychologie hat nichts mit einem «Reparaturbetrieb» zu tun.

Es gehe nicht darum, Probleme zu therapieren, sondern Menschen frühzeitig zu stärken.

Brigadier Langer bringt es auf den Punkt: «Psychische Einsatzfähigkeit entsteht nicht erst im Ernstfall, sie wird lange vorher aufgebaut.»

Mentale Vorbereitung sei vergleichbar mit körperlichem Training. Wer sie vernachlässigt, zahlt einen Preis.

Oberst Spinnler betont die Besonderheit der Milizarmee.

«Unsere Armee trägt die Gesellschaft in sich – und damit auch deren Spannungen und Sorgen», sagt er.

Genau deshalb müsse psychologische Arbeit nahbar und niedrigschwellig sein.

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist Führung.

Gute Führung wirke präventiv, schlechte Führung verstärke Belastungen.

Langer formuliert es so: «Menschen zerbrechen selten an der Aufgabe; häufiger an fehlender Orientierung oder mangelnder Wertschätzung.»

Psychologische Dienste arbeiteten deshalb zunehmend auch mit Kadern: Kommunikation, Entscheidungsfindung unter Druck und Vorbildwirkung seien Schlüsselfaktoren.

Spinnler ergänzt, dass sich der Umgang mit psychischen Themen in den Streitkräften stark verändert habe.

Was früher tabuisiert wurde, werde heute offen angesprochen.

Einsätze im In- und Ausland, Assistenzdienste und Katastrophenhilfe fordern mentale Stabilität.

«Psychische Gesundheit ist kein Softfaktor, sondern Voraussetzung für Einsatzbereitschaft», betont Spinnler.

Das Bundesheer und die Schweizer Armee stehen vor ähnlichen Herausforderungen: steigende Komplexität, mediale Dauerpräsenz und hohe Erwartungen von Politik und Gesellschaft.

Die Antwort darauf lautet Professionalität und Ehrlichkeit – auch über Grenzen der Belastbarkeit.

Der Podcast zeigt: Militärpsychologie ist heute Führungshilfe, Prävention und Kulturarbeit zugleich.

Oder, wie Langer es formuliert: «Stärke zeigt sich nicht im Schweigen, sondern im verantwortungsvollen Umgang mit sich selbst.»

Wer verstehen will, wie moderne Armeen langfristig einsatzfähig bleiben, sollte genau hinhören.

 

Quelle: VBS/DDPS
Bildquelle: VBS/DDPS

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