Schweizer Armee: Ex-Offizier spricht über Burnout – "Ich war innerlich leer"
Josef Ochsner kennt Druck und Verantwortung aus seiner Zeit als Berufsoffizier.
Heute arbeitet er in ziviler Funktion beim Kommando Führung und Kommunikation.
Er spricht offen über sein Burnout – und warum genau daraus echte Stärke entstehen kann.
Josef Ochsner weiss, was es heisst, dauerhaft Leistung zu erbringen. Als ehemaliger Berufsoffizier stand er über Jahre im Dienst der Armee – in einem Umfeld, das von Verantwortung, Tempo und Erwartungsdruck geprägt ist. Heute arbeitet er in ziviler Funktion beim Kommando Führung und Kommunikation der Schweizer Armee. Sein Blick auf Führung ist dadurch ein besonderer; geprägt von Erfahrung und von einem Einschnitt, der vieles verändert hat.
Ochsner spricht offen über sein Burnout. Ein Thema, das im militärischen Umfeld noch immer selten so klar benannt wird. „Ich habe lange gedacht, ich müsse einfach noch mehr leisten. Noch mehr Verantwortung übernehmen, noch stärker sein“, sagt er.
Was nach Einsatzbereitschaft klingt, wurde mit der Zeit zur Belastung. Die ersten Anzeichen kamen schleichend: schlechter Schlaf, innere Unruhe, zunehmende Erschöpfung. Nach aussen blieb vieles unsichtbar. „Ich habe funktioniert. Nach aussen war nichts sichtbar, aber innen war ich leer.“ Ein klassisches Muster – gerade in Organisationen, in denen Verlässlichkeit und Durchhaltewillen zentral sind.
Der Wendepunkt kam nicht als plötzlicher Zusammenbruch, sondern als stille Grenze. Die Konzentration fiel schwer, Entscheidungen wurden zur Last. „Ich habe gemerkt: So kann ich nicht weitermachen.“
Ochsner entschied sich, Hilfe anzunehmen. Kein einfacher Schritt – besonders für jemanden, der gewohnt ist, Verantwortung zu tragen und selbst Lösungen zu finden. „Das Schwierigste war mir selbst einzugestehen, dass ich an meine Grenzen gekommen bin.“
Der Weg zurück war lang. Er beschreibt ihn als Prozess: geprägt von Reflexion, Struktur und einem neuen Umgang mit sich selbst.
Seine Erfahrungen als Berufsoffizier – kombiniert mit seiner heutigen Tätigkeit in der Armee – geben ihm eine besondere Perspektive: „Ich habe gelernt, dass Führung nicht bedeutet, immer stark zu sein. Sondern zu wissen, wann man Verantwortung abgibt – auch sich selbst gegenüber.“ Diese Erkenntnis prägt heute auch seinen Umgang mit anderen. Er spricht offener über Belastung, achtet bewusster auf Warnsignale und setzt klarer Grenzen.
Seine Geschichte ist kein Einzelfall, aber sie wird selten so offen erzählt. Gerade deshalb ist sie relevant. Sie zeigt, dass Leistungsfähigkeit und Selbstfürsorge kein Widerspruch sind. Ochsner bleibt Teil der Armee. Aber mit einer erweiterten Haltung: Stärke zeigt sich nicht darin, alles auszuhalten, sondern darin, rechtzeitig zu erkennen, wann es Zeit ist, anders zu führen – auch sich selbst.
Quelle: Schweizer Armee/Kommunikation Verteidigung, Oberst i Gst Mathias Müller
Bildquelle: VBS/DDPS