Sicher über den Fussgängerstreifen: Warum ältere Menschen besondere Rücksicht brauchen
Fussgängerstreifen gehören zu den wichtigsten Übergängen im Strassenverkehr. Sie sollen Menschen ermöglichen, eine Strasse sicher zu überqueren. Dennoch können gefährliche Situationen entstehen, wenn Fahrzeuge zu spät bremsen oder Fussgänger die Geschwindigkeit herannahender Autos falsch einschätzen. Besonders ältere Menschen benötigen beim Überqueren einer Fahrbahn häufig mehr Zeit. Rücksichtnahme, Aufmerksamkeit und rechtzeitiges Anhalten sind deshalb entscheidend.
1. Fussgängerstreifen: Diese Vortrittsregeln gelten in der Schweiz
Nach Artikel 33 des Schweizer Strassenverkehrsgesetzes müssen Fahrzeuglenkende vor Fussgängerstreifen besonders vorsichtig fahren und nötigenfalls anhalten. Fussgängerinnen und Fussgänger haben grundsätzlich Vortritt, wenn sie sich bereits auf dem Streifen befinden oder erkennbar die Fahrbahn überqueren wollen.
Rechtzeitig abbremsen: Autofahrende müssen ihre Geschwindigkeit bereits bei der Annäherung so anpassen, dass sie vor dem Fussgängerstreifen sicher anhalten können. Besonders wichtig ist dies bei unübersichtlichen Kreuzungen, Einmündungen und in der Nähe von Kreiseln.
Vortritt nicht erzwingen: Auch Fussgänger haben Pflichten. Sie dürfen einen Fussgängerstreifen nicht überraschend betreten, wenn ein Fahrzeug bereits so nahe ist, dass es nicht mehr rechtzeitig anhalten kann. Vor dem Überqueren sollte deshalb immer geprüft werden, ob die herannahenden Fahrzeuge sicher bremsen können.
Ein kurzer Halt am Strassenrand und ein bewusster Blick zum herannahenden Verkehr helfen dabei, die eigene Absicht deutlich zu machen. Ein Handzeichen ist grundsätzlich nicht vorgeschrieben.
2. Ältere Fussgänger: Weshalb mehr Zeit und Aufmerksamkeit wichtig sind
Mit zunehmendem Alter können sich die körperlichen Voraussetzungen für eine sichere Teilnahme am Strassenverkehr verändern. Dazu gehören beispielsweise das Seh- und Hörvermögen, die Beweglichkeit und die Gehgeschwindigkeit. Diese Veränderungen sind individuell unterschiedlich ausgeprägt.
Mehr Zeit zum Überqueren: Personen mit eingeschränkter Mobilität benötigen möglicherweise länger, bis sie die gegenüberliegende Strassenseite erreicht haben. Wer am Steuer sitzt, sollte deshalb geduldig bleiben und erst weiterfahren, wenn der gefährdete Bereich sicher frei ist.
Geschwindigkeiten einschätzen: Gerade bei dichterem Verkehr kann es schwierig sein, den Abstand und die Geschwindigkeit eines herannahenden Fahrzeugs richtig einzuschätzen. Ein übersichtlicher Fussgängerstreifen mit guter Sicht ist deshalb besonders wichtig.
Wer einen Rollator, Gehstock oder andere Gehhilfen benützt, sollte sich beim Überqueren nicht unter Druck setzen lassen. Nach Möglichkeit sind Übergänge mit Mittelinseln oder Lichtsignalanlagen eine sinnvolle Wahl, wenn sie einen sichereren Weg ermöglichen.
3. Autofahrende: Besonders aufmerksam bei Kreiseln und Einmündungen
Fussgängerstreifen befinden sich häufig unmittelbar vor oder nach einem Kreisel. Dort müssen Fahrzeuglenkende mehrere Verkehrssituationen gleichzeitig beobachten: den einfahrenden Verkehr, Fahrzeuge innerhalb des Kreisels und Menschen, die eine Strasse überqueren möchten.
Vor dem Einfahren: Beobachten Sie frühzeitig die Trottoirs und Fussgängerstreifen. Rechnen Sie damit, dass sich Menschen auch von der Seite einem Übergang nähern können. Reduzieren Sie das Tempo so, dass Sie jederzeit rechtzeitig anhalten können.
Beim Ausfahren: Kontrollieren Sie bereits vor der Ausfahrt, ob sich unmittelbar dahinter ein Fussgängerstreifen befindet. Achten Sie insbesondere auf Personen, die aufgrund parkierter Fahrzeuge, Bepflanzungen oder anderer Hindernisse erst spät sichtbar werden.
Keine Ablenkung: Die Aufmerksamkeit gehört vollständig dem Verkehr. Mobiltelefone, Navigationsgeräte und andere Ablenkungen können dazu führen, dass Personen am Fussgängerstreifen zu spät erkannt werden.
Besondere Rücksicht ist gegenüber älteren Menschen, Kindern und Personen mit eingeschränkter Mobilität erforderlich. Wer mit angepasster Geschwindigkeit unterwegs ist und sich frühzeitig bremsbereit hält, schafft wichtige Sicherheitsreserven.
Gut zu wissen: Ein Fussgängerstreifen mit einer Mittelinsel gilt rechtlich als zwei getrennte Übergänge. Wer die Mittelinsel erreicht, muss vor dem Überqueren der zweiten Fahrbahnhälfte die Verkehrssituation erneut beurteilen. Das schafft eine zusätzliche Möglichkeit, auf herannahende Fahrzeuge zu achten.
Blickkontakt ist hilfreich, aber keine Garantie: Wer eine Autofahrerin oder einen Autofahrer anschaut, kann die eigene Absicht deutlicher machen. Entscheidend bleibt jedoch, ob das Fahrzeug tatsächlich langsamer wird und rechtzeitig anhalten kann. Verlassen Sie sich deshalb nicht allein auf Blickkontakt oder ein vermeintliches Handzeichen.
Praktischer Tipp: Machen Sie es sich zur Gewohnheit, an jedem Fussgängerstreifen kurz innezuhalten und den Verkehr aufmerksam zu prüfen. Autofahrende sollten frühzeitig vom Gas gehen und sich bremsbereit halten. Wer zu Fuss unterwegs ist, beginnt erst mit dem Überqueren, wenn die Verkehrssituation sicher ist.
Weitere Informationen: Praktische Hinweise zu Vortrittsregeln, Fussgängersicherheit und defensivem Verhalten im Strassenverkehr finden Sie bei Polizeinews Prävention.