App gegen sexuelle Gewalt im Netz: Polizei setzt auf Spiel für Jugendliche und Eltern

(Sitten VS). Angesichts der zunehmenden Nutzung digitaler Medien durch Jugendliche und der damit verbundenen Risiken lanciert die Kantonspolizei in Zusammenarbeit mit der Dienststelle für Unterrichtswesen, Gesundheitsförderung Wallis und dem Verein Declick „Deepsafe“.

Eine Webanwendung zur Prävention, die sich an Jugendliche, ihre Eltern und erwachsene Bezugspersonen richtet. Ihr Ziel ist es, die wichtigsten Formen sexueller Gewalt im digitalen Raum besser zu verstehen, den rechtlichen Rahmen in der Schweiz kennenzulernen und sich in solchen Situationen richtig zu verhalten.

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Das Wichtigste auf einen Blick

  • Projekt: Deepsafe – interaktive Webanwendung zur Prävention sexueller Gewalt im digitalen Raum.
  • Lancierung: 2. November 2026.
  • Initiantin: Kantonspolizei Wallis.
  • Partner: Dienststelle für Unterrichtswesen, Gesundheitsförderung Wallis und Verein Declick.
  • Zielgruppen: Jugendliche, Eltern und erwachsene Bezugspersonen.
  • Sechs Themen: Nacktbildversand, unerwünschte Nacktbilder, Weiterverbreitung intimer Bilder, Sextortion, Deepfakes und Grooming.
  • Inhalte: Erklärungen, Schweizer Rechtslage, Verhaltenstipps und Hilfsangebote.
  • Format: Kurzes interaktives Spiel.
  • Besonderheit: Möglichkeit, verschiedene Preise zu gewinnen.
  • Zugang: Kostenlos auf www.deepsafe.ch.

Sechs Risiken im digitalen Raum verständlich erklärt

Der digitale Austausch ist heute ein fester Bestandteil des Alltags von Jugendlichen. Er bietet zahlreiche Möglichkeiten, kann sie aber auch missbräuchlichem Verhalten oder strafbaren Handlungen aussetzen.

Um Jugendliche und ihr Umfeld zu unterstützen, behandelt Deepsafe sechs Risikothemen, mit denen Jugendliche konfrontiert sein können: das Versenden eines Nudes (Nacktbild), den Erhalt eines Nudes ohne Einwilligung, das Weiterverbreiten intimer Bilder, Sextortion, Deepfakes und Grooming.

Für jede dieser Situationen erklärt die Webanwendung das Phänomen, erläutert den rechtlichen Rahmen in der Schweiz, zeigt die richtigen Verhaltensweisen auf und verweist die Nutzerinnen und Nutzer auf verfügbare Hilfsangebote.

Die Anwendung ist als kurzes interaktives Spiel gestaltet und bietet den Teilnehmenden zudem die Möglichkeit, verschiedene Preise zu gewinnen.

Dialog zwischen Jugendlichen und Erwachsenen fördern

Diese Kampagne verfolgt ein doppeltes Ziel: Sie soll informieren und präventiv wirken sowie gleichzeitig den Dialog zwischen Jugendlichen und erwachsenen Bezugspersonen fördern.

Sie erinnert zudem daran, dass es wichtig ist, mit einer besorgniserregenden Situation nicht allein zu bleiben und dass Fachpersonen zur Verfügung stehen, um Betroffene bei diesen Thematiken zu unterstützen.

Gemeinsame Präventionskampagne im Kanton Wallis

Die von der Kantonspolizei initiierte Kampagne wird in Zusammenarbeit mit der Dienststelle für Unterrichtswesen, Gesundheitsförderung Wallis und dem Verein Declick durchgeführt.

Sie ist vollständig in das kantonale Programm zur Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs mit digitalen Medien eingebettet.

Deepsafe kostenlos verfügbar

Deepsafe ist kostenlos unter www.deepsafe.ch verfügbar.

 

Quelle: Kantonspolizei Wallis
Bildquelle: Kantonspolizei Wallis


Polizei.news informiert | Digitale Sicherheit für Jugendliche

Intime Bilder im Internet: Sieben Dinge, die Jugendliche und Eltern wissen sollten

Chats, soziale Netzwerke und Messenger gehören zum Alltag vieler Jugendlicher. Dabei entstehen manchmal Situationen, in denen persönliche Grenzen überschritten oder private Inhalte ohne Zustimmung verbreitet werden. Ein offener Umgang mit digitaler Privatsphäre, gegenseitigem Respekt und möglichen Hilfsangeboten schafft mehr Sicherheit.

1. Einwilligung gilt auch im digitalen Raum

Persönliche und intime Bilder gehören der Privatsphäre eines Menschen an. Niemand sollte dazu gedrängt werden, solche Aufnahmen zu erstellen oder zu verschicken.

Eine Zustimmung zu einem privaten Austausch ist keine Zustimmung zur Weitergabe an Dritte. Auch innerhalb einer Beziehung müssen persönliche Grenzen respektiert werden. Das gilt ebenso nach einer Trennung oder bei Streitigkeiten.

2. Sextortion: Wenn intime Aufnahmen zur Erpressung genutzt werden

Bei Sextortion drohen Täterinnen oder Täter damit, intime Bilder oder Videos zu veröffentlichen, wenn Betroffene kein Geld bezahlen oder weitere Forderungen erfüllen.

Wer erpresst wird, sollte möglichst keine Zahlungen leisten und keine weiteren intimen Inhalte verschicken. Es ist sinnvoll, Nachrichten und Benutzerprofile als Beweismittel zu sichern, den Kontakt anschliessend zu blockieren und sich Unterstützung bei einer Vertrauensperson oder Beratungsstelle zu holen.

3. Grooming: Wenn Erwachsene gezielt Vertrauen aufbauen

Beim sogenannten Cybergrooming suchen Erwachsene im Internet gezielt Kontakt zu Minderjährigen, um sexuelle Absichten zu verfolgen. Häufig versuchen sie, über längere Zeit Vertrauen aufzubauen.

Warnzeichen können Geheimhaltungsforderungen, sexuelle Fragen, Druck zur Übersendung persönlicher Bilder oder der Wunsch nach heimlichen Treffen sein. Jugendliche dürfen solche Kontakte jederzeit beenden und sich einer erwachsenen Vertrauensperson anvertrauen.

4. Deepfakes: Bilder und Videos können täuschend echt wirken

Mit künstlicher Intelligenz lassen sich Bilder und Videos erzeugen oder verändern. Dabei können Menschen in Situationen dargestellt werden, die nie stattgefunden haben.

Solche Fälschungen können auch für sexualisierte Darstellungen missbraucht werden. Ein glaubwürdig wirkendes Bild ist deshalb nicht automatisch echt. Verdächtige Inhalte sollten nicht ungeprüft weiterverbreitet werden. Wer von einer gefälschten intimen Darstellung betroffen ist, kann bei der Plattform eine Entfernung verlangen und sich beraten lassen.

5. Privatsphäre-Einstellungen bewusst nutzen

Viele soziale Netzwerke bieten die Möglichkeit, das eigene Profil auf privat zu stellen und festzulegen, wer Beiträge, Bilder oder persönliche Informationen sehen kann.

Überprüfen Sie regelmässig die Sichtbarkeit Ihres Profils und die Berechtigungen Ihrer Kontakte. Zur Kontosicherheit gehören ausserdem starke, unterschiedliche Passwörter und möglichst eine Zwei-Faktor-Authentifizierung.

6. Intime Inhalte ohne Einwilligung veröffentlicht: Was tun?

Wer feststellt, dass eigene intime Aufnahmen ohne Zustimmung verbreitet werden, kann bei der betreffenden Plattform eine Meldung und die Entfernung der Inhalte beantragen.

Bewahren Sie nach Möglichkeit Angaben zu Benutzerkonten, Nachrichten und den Fundstellen auf. Bei sexualisierten Darstellungen Minderjähriger sollten solche Bilder oder Videos nicht heruntergeladen oder weitergeleitet werden, um Beweise zu sammeln. Fachstellen und Polizei können erklären, wie Informationen rechtssicher dokumentiert werden können.

7. Vertrauensvolle Gespräche statt Vorwürfe

Jugendliche sprechen belastende Erfahrungen im Internet nicht immer sofort an. Gründe können Scham, Angst vor Konsequenzen oder Unsicherheit sein.

Für Eltern und andere Bezugspersonen ist es hilfreich, ruhig zuzuhören, die Schilderungen ernst zu nehmen und gemeinsam nach Unterstützung zu suchen. Auch ein anonymes Gespräch mit einer geeigneten Beratungsstelle kann ein erster Schritt sein.

Gut zu wissen: In der Schweiz ist die unbefugte Weitergabe nicht öffentlicher sexueller Inhalte unter den gesetzlichen Voraussetzungen strafbar. Die konkrete rechtliche Beurteilung hängt unter anderem von der Art der Aufnahme, dem Alter der Beteiligten und den Umständen ab.

Praktischer Tipp: Vereinbaren Sie in der Familie einen einfachen Grundsatz: Wer online etwas Belastendes erlebt, darf jederzeit um Hilfe bitten. Ein solches Gespräch sollte nicht mit Vorwürfen oder vorschnellen Strafen beginnen.

Weitere Informationen: Allgemeine Nachrichten und Sicherheitshinweise zur digitalen Kriminalität bietet Cyberpolice.ch.


 

Quelle Infobox: Polizei.news-Redaktion

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